Phänomenologie (Phänomen, Logos)

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Mit 'Phänomenologie' (von altgriechisch φαινόμενον phainómenon, deutsch ‚Sichtbares, Erscheinung‘ und λόγος lógos ‚Rede‘, ‚Lehre‘) bezeichnet man insgesamt eine philosophische Strömung im Ausgang von Edmund Husserl, der mit der Phänomenologie Anfang des 20. Jh. eine Neufundierung der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie angestrebt hat, die an die neuzeitliche erkenntnistheoretische Tradition, kulminierend mit Kant und der Transzendentalphilosophie, anknüpft.

In der Weise, wie 'Erscheinungen' zum 'unmittelbaren' Gegenstand fundamentaler Analysen werden sollen (Husserls Motto: 'zu den Sachen selbst' wird hier gerne zitiert) unterscheidet sich der phänomenologische Ansatz jedoch grundlegend etwa von einer positivistischen 'Unmittelbarkeit' etwa von Sinnesdaten.

Die verschiedenen phänomenologischen Ansätze (u.a. Husserl, Heidegger, Sartre, Schütz, Merleau-Ponty) unterscheiden sich zudem u.a. in der Art, was sie genau unter 'Phänomen' verstehen, und wie der Zugang zu diesen methodisch aufbereitet wird.


Wie bestimmt Heidegger den Begriff des Phänomens und den des Logos und inwiefern ergibt sich daraus die Methodik einer recht verstandenen Phänomenologie?

'Phänomenologie' zu verstehen als Methodenbegriff, keine Lehre, keine Disziplin oder Richtung

Maxime 'zu den Sachen selbst' muss richtig ausgelegt werden

In Phainomena steckt phainoo und die mediale Form und phoos (Licht, Helle) also zeigen, zu Tage befördern, ans Licht bringen entsprechend: sich zeigen, was an ihm selbst sichtbar werden kann oder aber: zu Tage GEBRACHT werden kann

PHÄNOMEN: Das Sich-an-ihm-selbst-zeigende

SCHEINEN: Nur was sich zeigen kann, kann scheinen Ist szs. die Privation von Phänomen

konträrer Begriff ist ERSCHEINUNG: Ein Sich-nicht-zeigen bietet nur Indikation, Darstellung, Symptom oder Zeichen

Problem, dass Erscheinung und Phänomen oft durcheinandergebracht werden

Dazu noch Sonderbedeutung von ERSCHEINUNG als 'bloßer' Erscheinung, hinter der noch ein eigentlich Wirkendes oder Wirkliches steht und die Erscheinung hervorbringt, das aber gerade nicht zur Erscheinung kommt (d.i. Kants Erscheinungsbegriff)

Nun ist noch ein formaler, ein vulgärer und ein phänomenologischer Phänomenbegriff zu unterscheiden:

formal: erfüllt einfach irgendwie das Kriterium, ohne zu bestimmen, ob das sich Zeigende ein Seiendes oder ein Seinscharakter ist

Vulgär: szs. das Offensichtliche wie dass es Hunde gibt, oder dass Hundewelpen gerne spielen

Phänomenologisch: s.u.


LOGOS: Grundbedeutung ist Rede (Vernunft, Argumentation, Beziehung usw. Ableitungen)

Aristoteles: Funktion der Rede ist apophainesthai: Rede 'lässt sehen' von dem selbst her, wovon die Rede ist. 'hin zum sich Zeigen bringen' Struktur des Logos als Apophansis

"Die Rede >>läßt sehen<< apo ... von dem selbst her, wovon die Rede ist. In der Rede (apophansis) soll, wofern sie echt ist, das, was geredet ist, aus dem, worüber geredet wird, geschöpft sein, so daß die redende Mitteilung in ihrem Gesagten das, worüber sie redet, offenbar und so dem anderen zugänglich macht. Das ist die Struktur des Logos als apophansis."[1]


Noch Kommentar zum Wahrheitsbegriff: Wahrheitsträger ist das Wahrnehmen selbst WEIL der logos etwas sehen lassen kann, ist er selbst auch Wahrheitsträger


nun PHÄNOMENOLOGIE: "Der Ausdruck Phänomenologie läßt sich griechisch formulieren: legein ta phainomena; legein besagt aber apophainesthai. Phänomenologie sagt dann: apophainesthai ta phainomena: Das was sich zeigt, so wie es sich von ihm selbst her zeigt, von ihm selbst her sehen lassen. Das ist der formale Sinn der Forschung, die sich den Namen Phänomenologie gibt. So kommt aber nichts anderes zum Ausdruck als die oben formulierte Maxime: >>Zu den Sachen selbst!<<"[2]

Das Methodische besagt: "eine solche Erfassung ihrer Gegenstände, daß alles, was über sie zur Erörterung steht, in direkter Aufweisung und direkter Ausweisung abgehandelt werden muß"[3]

Was sind aber die Phänomene der Phänomenologie?

S. 31: Vgl. mit Kants 'Beschreibung' oder Analyse von 'Formen der Anschauung':

"Im Horizont der Kantischen Problematik kann das, was phänomenologisch unter Phänomen begriffen wird, vorbehaltlich anderer Unterschiede, so illustriert werden, daß wir sagen: was in den Erscheinungen, dem vulgär verstandenen Phänomen je vorgängig und mitgängig, obzwar unthematisch, sich schon zeigt, kann thematisch zum Sichzeigen gebracht werden und dieses Sich-so-an-ihm-selbst-zeigende (>>Formen der Anschauung<<) sind Phänomene der Phänomenologie. Denn offenbar müssen sich Raum und Zeit so zeigen können, sie müssen zum Phänomen werden können, wenn Kant eine sachgegründete transzendentale Aussage damit beansprucht, wenn er sagt, der Raum sei das apriorische Worinnen einer Ordnung."[4]

Phänomenologie und Ontologie fallen damit letztlich zusammen

"Ontotogie ist nur als Phänomenologie möglich"[5]

"Was aber in einem ausnehmenden Sinne verborgen bleibt oder wieder in die Verdeckung zurückfällt oder nur >>verstellt<< sich zeigt, ist nicht dieses oder jenes Seiende, sondern, wie die voranstehenden Betrachtungen gezeigt haben, das Sein des Seienden. Es kann so weitgehend verdeckt sein, daß es vergessen wird und die Frage nach ihm und seinem Sinn ausbleibt. Was demnach in einem ausgezeichneten Sinne, aus seinem eigensten Sachgehalt her fordert, Phänomen zu werden, hat die Phänomenologie als Gegenstand thematisch in den >>Griff<< genommen."[6]

">>Hinter<< den Phänomenen der Phänomenologie steht wesenhaft nichts anderes, wohl aber kann das, was Phänomen werden soll, verborgen sein. Und gerade deshalb, weil die Phänomene zunächst und zumeist nicht gegeben sind, bedarf es der Phänomenologie. Verdecktheit ist der Gegenbegriff zu >>Phänomen<<"[7]

AUSLEGUNG: Wie sich noch zeigen wird: "Der methodische Sinn der phänomenologischen Deskription ist Auslegung. Der logos der Phänomenologie des Daseins hat den Charakter des hermeneuein, durch das dem zum Dasein selbst gehörigen Seinsverständnis der eigentliche Sinn von Sein und die Grundstrukturen seines eigenen Seins kundgegeben werden. Phänomenologie des Daseins ist Hermeneutik in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, wonach es das Geschäft der Auslegung bezeichnet."[8]

Folge aus dem Vorrang des Daseins für jede Ontologie und der Geschichtlichkeit desselben

"Jede Erschließung von Sein als des transcendens ist transzendentale Erkenntnis. Phänomenologische Wahrheit (Erschlossenheit von Sein) ist veritas transcendentalis."[9]

"Ontologie und Phänomenologie sind nicht zwei verschiedene Disziplinen neben anderen zur Philosophie gehörigen. Die beiden Titel charakterisieren die Philosophie selbst nach Gegenstand und Behandlungsart. Philosophie ist universale phänomenologische Ontologie, ausgehend von der Hermeneutik des Daseins, die als Analytik der Existenz das Ende des Leitfadens alles philosophischen Fragens dort festgemacht hat, woraus es entspringt und wohin es zurückschlägt."[10]

  1. (SZ, S. 32)
  2. (SZ, S. 34)
  3. (SZ, S. 35)
  4. (SZ, S. 31)
  5. (SZ, S. 35)
  6. (SZ, S. 35)
  7. (SZ, S. 36)
  8. (SZ, S. 37)
  9. (SZ, S. 38)
  10. (SZ, S. 38)