Frage nach dem Sinn von Sein

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Heidegger behauptet, dass wir nicht wissen, was 'Sein' meint. Das Sein wurde falsch verstanden, da eine Gleichsetzung von Sein mit dem Seienden stattfand. Deshalb muss die Frage -- die das Ziel dieses Buches definiert -- „Was ist der Sinn von Sein“ neu gestellt werden.

Heidegger diskutiert drei Vorurteile bzgl. des Begriffs von Sein, die die Notwendigkeit einer erneuten Frage nach dem Sinn des Seins kennzeichnen:

1) Das 'Sein' sei der allgemeinste Begriff Und damit auch der leerste

Allgemeinheit ist korrekt, aber 'Leere' nicht; nämlich keine Allgemeinheit der Gattung. Seinsrede 'übersteigt' die Gattungsmäßige Allgemeinheit; mittelalterlicher Term für so etwas: ein 'transcendens' Hegel auch auf der korrekten Fährte; Sein durchaus auch der dunkelste Begriff


2) Der Begriff 'Sein' sei undefinierbar Durchaus auch korrekt, wenn Definition = Genus + Differentia Bedeuttet aber nicht unbestimmbar oder unbrauchbar. Die Frage nach dem Sinn von Sein muss geklärt werden; und werden können.


3) Das 'Sein' ist der selbstverständliche Begriff Jeder versteht Sätze wie 'der Himmel ist blau', 'ich bin froh' usw. aber eigentlich verdeckt diese Selbstverständlichkeit nur die Rätselhaftigkeit.


Die Prädikatenlogik verschleiert diese Problem zunehmend, denn die Formalisierung eines Satzes, in dem einem Eigennamen lediglich ein Prädikat zugeschrieben wird, vermittelt ein Verständnis vom Sein, das nicht vorhanden ist. Aus all dem leitet er die Notwendigkeit der Wiederholung der Frage ab. (Vgl. S. 2ff.)

"Die Frage nach dem Sinn von Sein ist also zunächst die Frage nach der Einheit der vielen Seinsweisen, die die Ontologie unterscheidet. Gesucht ist dabei eine Einheit, aus der sich Gründe für die Unterscheidungen ergeben, also eine Grundlage des Unterscheidens, die dieses der Beliebigkeit entzieht." [1]


Die allgemeinen Strukturmomente des Fragens nach Heidegger:

Um die Frage nach dem Sinn von Sein korrekt verstehen und beantworten zu können, deckt Heidegger zunächst die allgemeinen Strukturmerkmale einer Frage auf.

Jedes Fragen ist Suchen

  • Gesuchtes: Allgemeines Interesse bzw. allgemeiner Zweck der Frage; legt die Art von Antwort fest
  • Gefragtes: Konkrete Frageform
  • Befragtes: Gegenstände der Befragung
  • Erfragtes: Tatsächliches Ergebnis der Frage?

Fragen als Seinsmodus (eines Seienden, das fragt)

Ferner: Funktion / Absicht / Motive (das 'wozu' es dienen soll)


(M)ein Beispiel: Frage nach Regelmäßigkeiten der Natur:

  • Gesuchtes: Verlaufsgesetz mit abhängiger und unabhängiger Variable
  • Gefragtes: Aufbau des Experiments
  • Befragtes: Experimentalapparatur
  • Erfragtes: Messergebnisse, Messreihen, deren Auswertung
  • 'wozu': Beherrschung der Wirklichkeit; Verbesserung von Handlungsregeln etc.

Fall des Seins:

  • Gesuchtes: ...
  • Gefragtes: Das Sein, bzw. das was das Seiende als Seiendes bestimmt (im Prinzip Aristoteles Verständnis von Metaphysik)
  • Befragtes: Das Seiende selbst (also letztlich jeweils bestimmte, ggf exemplarische Konkretionen von Seiendem); wird auf sein Sein hin abgefragt (also auf bestimmte formale Merkmale, Charakteristik, etc.) -- letztlich hat hier das Dasein eine fundamentale Rolle
  • Erfragtes: Sinn von Sein (Orientierungsweisen mit Bezug auf das Dasein; der Bezugspunkt und Begründungsfundament aller Unterscheidungen)

'wozu': §3 dem gewidmet:

Die Seinsfrage zielt daher auf eine apriorische Bedingung der Möglichkeit nicht nur der Wissenschaften, die Seiendes als so und so Seiendes durchforschen und sich dabei je schon in einem Seinsverständnis bewegen, sondern auf die Bedingung der Möglichkeit der vor den ontischen Wissenschaften liegenden und sie fundierenden Ontologien selbst. [2]

eigentlicher Fortschritt in Wissenschaften nicht in weiterer Anhäufung von Kenntnissen, sondern in Revision ihrer Grundbegriffe. BSP Mathematik, Physik, historische GeiWi, Theologie. Ontologie dabei den Anspruch, hier die eigentlichen Grundlagen zu liefern, wirklich zu einer Revision eines je nur faktisch gegebenen Seinsverständnisses zu kommen. Somit auch nicht 'nachhinkende Logik', die bloß den zufälligen Stand der Wissenschaft und ihre 'Methoden' untersucht., sondern 'produktive Logik'. [3] Macht die Anweisungen des Fragens erst verfügbar.

Beispiel: Nicht Theorie der Begriffsbildung der Historie (also z.B. Rickert), sondern Interpretation des eigentlich geschichtlich Seienden auf seine Geschichtlichkeit (also das, was Gadamer dann versucht).

Durch die Einteilung der Seinsfrage in Gefragtes, Befragtes und Erfragtes wird deutlich, dass das Fragen- Können als Verhalten eines Seienden zu verstehen ist. Lediglich das Seiende ist in der Lage eine Frage zu stellen, da es auch das Suchende darstellt.

Zudem ist ein notwendiges Verhältnis zum Befragten erkennbar, denn das Gefragte und das Erfrage hängen vom Befragten ab, also von dem Seienden, der die Frage stellt. [4]

  1. (Gethmann 1993, S. 11)
  2. (SuZ S. 11)
  3. (SuZ S. 10)
  4. (Vgl. SuZ S. 5ff.)