Existenzialien

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"Alle Explikate, die der Analytik des Daseins entspringen, sind gewonnen im Hinblick auf seine Existenzstruktur. Weil sie sich aus der Existenzialität bestimmen, nennen wir die Seinscharaktere des Daseins Extstenzialien. Sie sind scharf zu trennen von den Seinsbestimmungen des nicht daseinsmäßigen Seienden, die wir Kategorien nennen." [1]


Unterschied zu Kategorien am Beispiel des 'In-Seins' und der 'Inwendigkeit'

'In-Sein' meint eine Seinsverfassung des Daseins und ist ein Existenzial. Das 'in' führt Heidegger auf 'innan-', wohnen, habitare, sich aufhalten zurück, deutet also an: wohnen bei.. vertraut sein mit Es meint dies gerade nicht in einem Sinne eines räumlichen 'seins in...', wie Wasser im Glas oder dem Kleid im Schrank (oder eben einem Körper IN einer räumlichen Welt) letzteres bezeichnet Heidegger als 'Inwendigkeit' und ist ist als eine örtliche Bestimmung des Raumes, also etwas nichtdaseinsmäßig Vorhandenem; damit kategorial


"Die Mannigfaltigkeit solcher Weisen des In-Seins läßt sich exemplarisch durch folgende Aufzählung anzeigen: zutunhaben mit etwas, herstellen von etwas, bestellen und pflegen von etwas, verwenden von etwas, aufgeben und in Verlust geraten lassen von etwas, unternehmen, durchsetzen, erkunden, befragen, betrachten, besprechen, bestimmen ... Diese Weisen des In-Seins haben die noch eingehend zu charakterisierende Seinsart des Besorgens. Weisen des Besorgens sind auch die defizienten Modi des Unterlassens, Versäumens, Verzichtens, Ausruhens, alle Modi des »Nur noch« in bezug auf Möglichkeiten des Besorgens." [2]

"Weil zu Dasein wesenhaft das In-der-Welt-sein gehört, ist sein Sein zur Welt wesenhaft Besorgen." (57)

Im Zusammenhang mit der existenzialen Bestimmung des In-Seins als Besorgen steht eine Kritik der traditionellen Auffassung der Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt in der Erkenntnistheorie.

"Dasein ist nie »zunächst« ein gleichsam in-seins-freies Seiendes, das zuweilen die Laune hat, eine »Beziehung« zur Welt aufzunehmen. Solches Aufnehmen von Beziehungen zur Welt ist nur möglich, weil Dasein als In-der-Welt-sein ist, wie es ist." (SZ, S. 57)

"Denn was ist selbstverständlicher, als daß sich ein »Subjekt« auf ein »Objekt« bezieht und umgekehrt? Diese »Subjekt-Objekt-Beziehung« muß vorausgesetzt werden. Das bleibt aber eine – obzwar in ihrer Faktizität unantastbare – doch gerade deshalb recht verhängnisvolle Voraussetzung, wenn ihre ontologische Notwendigkeit und vor allem ihr ontologischer Sinn im Dunkel gelassen werden." (SZ, S. 59)

"Der Index dafür ist die heute noch übliche Ansetzung von Erkennen als einer »Beziehung zwischen Subjekt und Objekt«, die so viel »Wahrheit« als Leerheit in sich birgt. Subjekt und Objekt decken sich aber nicht etwa mit Dasein und Welt." (SZ, S. 60)

Welterkennen als existenziale (aber 'abgeleitete') »Modalität« des In-Seins

"Weil das Welterkennen zumeist und ausschließlich das Phänomen des In-Seins exemplarisch vertritt und nicht nur für die Erkenntnistheorie – denn das praktische Verhalten ist verstanden als das »nicht«- und »atheoretische« Verhalten –, weil durch diesen Vorrang des Erkennens das Verständnis seiner eigensten Seinsart mißleitet wird, soll das In-der-Welt-sein im Hinblick auf das Welterkennen noch schärfer herausgestellt und es selbst als existenziale »Modalität« des In-Seins sichtbar gemacht werden" (SZ, S. 59)

"Das In-der-Welt-sein ist als Besorgen von der besorgten Welt benommen. Damit Erkennen als betrachtendes Bestimmen des Vorhandenen möglich sei, bedarf es vorgängig einer Defizienz des besorgenden Zu-tunhabens mit der Welt. Im Sichenthalten von allem Herstellen, Hantieren u. dgl. legt sich das Besorgen in den jetzt noch einzig verbleibenden Modus des In-Seins, in das Nur-noch-verweilen bei... Auf dem Grunde dieser Seinsart zur Welt, die das inner weltlich begegnende Seiende nur noch in seinem puren Aussehen (eidos) begegnen läßt, und als Modus dieser Seinsart ist ein ausdrückliches Hinsehen auf das so Begegnende möglich." (SZ, S. 61)

  1. (SZ, S. 44)
  2. (SZ, 56f)