Gesundheit und Alter

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Alter, Altern und Technik

Altern ist in hohem Maße inter- und intra-individuell variabel. Wegen der hohen inter- und intra-individuellen Variabilität des Alterns sollte sich unterstützende Technik adaptiv an den Bedarfen und Bedürfnissen älterer Menschen orientieren und lernfähig sein. Ein personalisiertes Selbst-Monitoring-System sollte - je nach Bedarf - sowohl anregend, als auch unterstützend oder kompensierend wirken. Die soziale Realität spiegelt eine wachsende Zahl der vitalen Alten wieder, die sich altersentsprechend gesund und wohl fühlen.

Selbst-Monitoring

Selbst-Monitoring ist eine personalisierte Analyse des Gesundheitszustandes, des subjektiven Wohlbefindens und der Kontextparameter. Selbst-Monitoring liefert Informationen über Handlungsoptionen und unterstützt die Autonomie der Nutzer.

Autonomie und Persuasive Technologien

Autonomie wird als das persönliche Vermögen verstanden, aus vorhandenen Alternativen zu wählen, um den Alltag aufgrund eigener Entscheidungen gestalten zu können (Kuhlmey & Tesch-Römer; 2013). Persuasive Technologien liefern dazu einen vielversprechenden Ansatz, als intelligente Assistenzsysteme eine autonomieförderliche Entscheidungsarchitektur bereitzustellen (Thaler & Sunstein, 2007).

Lebensqualität

Auf Basis eines biopsychosozialen Modells wird Lebensqualität als ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung von Gesundheit und Wohlbefinden sowie dem Erfolg von gesundheitsbezogenen Interventionen betrachtet. Es bewertet diese qualitativ, was mit dem Bestreben eines besseren Lebens und weniger eines langen Lebens einhergeht (Radoschewski, 2000, S.169). Mit dem Begriff Lebensqualität verbindet sich der Versuch, Funktionsfähigkeit und Wohlbefinden aus Sicht der betroffenen Person zu erfassen – dies gilt für Gesunde als auch für Kranke. Nach der WHO-Definition beinhaltet Lebensqualität die subjektive Repräsentation von psychischen, sozialen, mentalen und alltagsbezogenen Lebensbereichen im Selbstbericht von Personen. Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertesystemen, in denen sie lebt und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Maßstäbe und Anliegen. Es handelt sich um ein breites Konzept, das in komplexer Weise beeinflusst wird durch die körperliche Gesundheit einer Person, den psychischen Zustand, die sozialen Beziehungen, die persönlichen Überzeugungen und ihre Stellung zu den hervorstechenden Eigenschaften der Umwelt (WHO, 1997). Lebensqualität wird als ein multidimensionales Konstrukt verstanden, das physische, psychische und soziale sowie ökologische Aspekte unter dem Gesichtspunkt subjektiv erlebten Wohlbefindens und Funktionsfähigkeit zusammenfasst (Renneberg & Lippke, 2006). Sie ist für den interdisziplinären Forschungsbereich als "gesamte Existenz eines Einzelnen, einer Gruppe oder Gesellschaft" (Radoschewski, 2000, S.169) definiert.

Literatur: Rennberg, B. & Lippke, S. (2006). Lebensqualität. In P. Hammelstein & B. Renneberg (Hrsg.), Gesundheitspsychologie (S. 29-34). Heidelberg: Springer Medizin Verlag. Renneberg, & Hammelstein. (2006). Gesundheitspsychologie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Gesundheit

Gesundheit umfasst ein positives Konzept, das sowohl auf sozialen und persönlichen Ressourcen als auch auf körperlichem Leistungsvermögen aufbaut. Gesundheit ist nach Bandura & Hehlmann (2002) „eine Fähigkeit zur Problemlösung und Gefühlsregulierung, durch die ein positives seelisches und körperliches Befinden – insbesondere ein positives Selbstwertgefühl – und ein unterstützendes Netzwerk sozialer Beziehungen erhalten oder wieder hergestellt wird.“ Gesundheit ist mehr als die bloße Abwesenheit von Krankheit. Im Rahmen der Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich ein Verständnis durchgesetzt, wonach Gesundheit als umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden definiert wird. 1987 erweiterte die WHO ihre Definition im Nachgang zur Ottawa Charta. Demnach ist Gesundheit die Fähigkeit und die Motivation, ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben zu führen. Gesundheit ist weniger ein Zustand oder Ziel, als vielmehr eine Ressource des täglichen Lebens. Gesundheit entsteht, wenn Menschen ihre Ressourcen optimal entfalten und mobilisieren können, um so den inneren (körperlichen & psychischen) und äußeren (sozialen & materiellen) Anforderungen zu begegnen (Hurrelmann & Franzkowaik, 2004, 53f.). Nach Hüttner (1998) erlangt sie ihren Wert als Grundgegebenheit und Bedingung für alle Lebensziele (Radoschewski, 2000, S.168). Bei der Bewertung von Gesundheit sind objektive und subjektive Kriterien heranzuziehen (Hurrelann & Franzkowaik, 2004), denn nach Pinquart (2011) besteht eine Diskrepanz von bis zu 95% zwischen dem objektivem Befund und dem subjektivem Befinden (Saß et al., 2009, S.79). Eine für alle Menschen gültige optimale Gesundheit gibt es nicht. Gesundheit ist subjektiv (vgl. WHO-Definition)und individuell. Es gibt nicht die Gesundheit, die für alle programmiert werden könnte. Gesundheit muss, ebenso wie eine Beeinträchtigung, unter Berücksichtigung individueller Einschränkungen und Bedingungen gesehen werden (vgl. Hurrelmann & Franzkowaik, 2004, 53f.). Die Beurteilung oder Bewertung von Gesundheit ist nur in Bezug auf die zu bewältigende Alltagsaufgaben, Lebensstile, Lebensalter und soziale Einbettung sinnvoll (Moebus & Bödeker, 2000). Gesundheit ist ein dynamischer Prozess, der – abhängig von den wechselnden Belastungen und Möglichkeiten konkreter Lebenssituationen – immer wieder neu gestaltet und ausbalanciert werden muss. Prävention und Gesundheitsförderung sind wichtige Strategien, um Gesundheit zu erreichen, zu erweitern und zu erhalten. Dabei sind Lebensstil- ebenso wie Umweltdeterminanten zu berücksichtigen. Denn „die Gesundheit eines Menschen ist abhängig von dem Zusammenwirken des individuellen gesundheitsförderlichen Verhaltens und der gesundheitsförderlichen Verhältnisse.“ (WHO, 1986, Ottawa Charter for Health Promotion) Gesundheit ist ein mehrdimensionales Konstrukt. Der ganzheitliche Ansatz der Gesundheitsförderung erstreckt sich auf sämtliche Lebens- und Umweltbereiche. Die Dimensionen von Gesundheit sind u.a. • Physische Gesundheit • Psychische Gesundheit • Soziale Teilhabe • Gesellschaftliche Teilhabe • Selbstbestimmtheit

Kohärenz

Gesund sein beinhaltet das Gefühl des Vertrauens, dass die Ereignisse des Lebens strukturiert, verstehbar, zu bewältigen und sinnhaft sind ( Kohärenzgefühl). Der Kohärenzsinn ist eine Lebenseinstellung, die dazu beiträgt, tägliche Belastungen und Lebenskrisen zu bewältigen. Es handelt sich um das Steuerungsprinzip für den Gebrauch von Ressourcen (Grabert, 1991, S.7) und führt zu einem überdauerndem Gefühl des Selbstvertrauens, welches auch durch Schicksalsschläge, Misserfolge und Anfeindungen durch andere nicht infrage gestellt oder zerstört wird.

Literatur: Siehe u.a. Antonovsky

Lebensstil & Lebensstilfaktoren

Der Lebensstil beschreibt eine Lebensweise, die von einer Person oder Gruppe gewählt wird (Macquarie Dictionary). Nach Abel (2005) werden gesundheitsrelevante Lebensstile „als typische Muster von gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen, Orientierungen und Ressourcen, die von Individuen in ihrer Auseinandersetzung mit ihren sozialen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen entwickelt werden“ (Abel, 2005) definiert. Unter Lebensstil werden die individuell praktizierten und zu verantwortenden Handlungsdispositionen und Einstellungen bezeichnet (Schienkiewitz & Walter, 2003, S. 817). Gemäß dem Soziologen Max Weber setzt sich der Lebensstil aus Verhältnissen (den Lebenschancen) und dem Verhalten (der Lebensführung) zusammen (Abel, 1999, S.44). Zu den Verhältnissen zählen beispielsweise die Gesundheitsbelastungen (Umweltbelastungen, Arbeitsbedingungen, Kontakt mit unterschiedlichen Schadstoffen etc.) sowie die Gesundheitsversorgung (der Zugang zur medizinischen Versorgung etc.). Zum gesundheitsrelevanten Verhalten zählt das soziokulturell geprägte persönliche Gesundheitsverhalten (Ernährung, Bewegung etc.) sowie das Lernverhalten (Gewohnheitsbildung, Aneignen durch sozialen Vergleich etc.) (vgl. Schwartz, 2003, S.140). Das gesundheitsrelevante Verhalten spiegelt sich in den Lebensstilfaktoren wieder. Lebensstilfaktoren beeinflussen das Risiko an chronischen Krankheiten zu erkranken oder schützen vor chronischen Erkrankungen. Zu den evidenten „klassischen vier Lebensstilfaktoren“ zählen: Ernährung, Rauchen, Bewegung und Alkoholkonsum (Franke, 2010, S. 223). An diesem „klassischen“ Konzept wird die verminderte Berücksichtigung des Zusammenspiels von sozialen, psychologischen und biologischen Bedingungen und Wirkungsfaktoren kritisiert (Abel, 1999, S. 44). Zu den Lebensstilfaktoren im weiteren Sinn zählen: • Bewegung • Sitzender Lebensstil • Ernährung • Schlafqualität • Suchtmitteleinnahme (Alkohol, Rauchen und Drogen) • soziales Leben • Mentale Stimulation • Stressmanagement

Gesunde Lebensstile können vor chronischen Erkrankungen schützen. Ein gesundheitsbewusster Lebensstil zeichnet sich durch eine ausgewogene Ernährung, Vermeidung von Übergewicht, mäßigen Konsum von Alkohol, Nichtrauchen, körperliche Betätigung, Vermeidung von (anhaltendem) negativem Stress, ausreichend Schlafen und Trinken (von Wasser), Vermeidung von Sonnenbrand und Sensibilität bezüglich Lärm und anderen schädlichen Umwelteinflüssen aus. Nach Langbein & Skalnik (2005) können bei dem Vorhandensein folgender Lebensstilfaktoren ab dem 50. Lebensjahr gute Chancen attestiert werden, das 80. Lebensjahr zu erreichen: • in einer stabilen partnerschaftlichen Ehe oder Beziehung zu leben • nicht zu rauchen und regelmäßig, jedoch nicht übermäßig Alkohol zu trinken • gerne und regelmäßig Bewegung zu machen • nicht stark übergewichtig zu sein • intellektuelle Streitlust und Freude am lebenslangen Lernen zu haben • selbstbewusst das Leben zu gestalten.

Mobile-Health-Technologien können gesundheitsorientierte Verhaltensänderungen wie Gewichtskontrolle, Rauchentwöhnung oder verstärkte körperliche Betätigung unterstützen (Burke et al., 2015).

Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung befasst sich mit den Entstehungsbedingungen von Gesundheit und Gesundheitsdeterminanten und der Grundfrage, über welche gesundheitsfördernden personalen und sozialen Ressourcen ein Individuum verfügen können soll/muss, um ein Leben in guter Gesundheit zu führen, und wie diese individuellen und sozialen Ressourcen gefördert werden können. Renneberg und Hammelstein (2006) beschreiben in Anlehnung an die Definition der WHO Gesundheitsförderung als einen Prozess, in dem Menschen dazu befähigt werden, ihre Gesundheit selbst zu bestimmen und zu verbessern. Um einen Zustand vollständigen geistigen und körperlichen Wohlbefindens zu erreichen, muss es Individuen oder Gruppen möglich sein, eigene Ziele zu entwickeln und zu verwirklichen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen und ihre Umweltbedingungen zu verändern. Gesundheitsförderung ist daher nicht nur die Aufgabe des Gesundheitssektors, sondern möchte über eine gesunde Lebensweise hinaus das individuelle Wohlbefinden erreichen. Interventionsmaßnahmen der Gesundheitsförderung zielen auch auf die Ressourcensteigerung und Erhöhung der Gesundheitspotenziale von Bevölkerungsgruppen in bestimmten Bereiche (Settings) ab. Es sollen dabei alle Bereiche (Settings), in denen Menschen leben, lieben, lernen, arbeiten, wohnen und spielen, berücksichtigt werden. Interventionsmaßnahmen im Bereich Gesundheitsförderung richten sich an die Lebensbedingungen der Menschen, die darin unterstützt werden sollen, ressourcenstärkende Persönlichkeitsanteile und gesundheitsfördernde Lebensstile zu entwickeln und auszubauen. Die Gesundheitsförderung konzentriert sich auf die Kernfragen, über welche gesundheitsfördernde Ressourcen – in personaler und sozialer Hinsicht – ein Mensch verfügen können soll oder muss, um sein Wohlbefinden und seine Gesundheit zu optimieren, und wie diese Ressourcen gefördert werden können. Der Mensch verfügt über interne und externe Ressourcen, die ihn mehr oder weniger gesund erhalten. Zu den internen zählen etwa Selbstwertgefühl, Bewältigungsstrategien und Kompensationsmöglichkeiten. Die externen Ressourcen beziehen sich auf das soziale Umfeld des Menschen, die ökonomischen Bedingungen, das berufliche Umfeld und die sozialen Unterstützungen, auf die er bauen kann. Eine „gesunde Entscheidung“ soll für den Einzelnen die naheliegende Entscheidung sein, die er im Kontext mit seiner Lebensumgebung fällt.

Literatur: [1] Renneberg, & Hammelstein. (2006). Gesundheitspsychologie. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Notes

  1. Rennberg, B. & Lippke, S. (2006). Lebensqualität. In P. Hammelstein & B. Renneberg (Hrsg.), Gesundheitspsychologie (S. 29-34). Heidelberg: Springer Medizin Verlag.