Semiotik

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Semiotik wird die Theorie und Lehre von den Zeichen genannt. Es ist eine Überdisziplin der Sprachwissenschhaft.

Definition Zeichen

Ein Zeichen wird dadurch definiert, dass es eine Stellvertreterfunktion einnimmt. Etwas wird also dadurch zum Zeichen, dass es für etwas anderes steht – aliquid stat pro aliquo. Ein Zeichen hat immer eine Ausdrucks- und eine Inhaltsseite, im Strukturalismus als bilaterales Zeichen benannt. Das sprachliche Zeichen besteht somit aus Signifiant=Ausdruck (Bezeichnendes) und Signifié=Inhalt (Bezeichnetes). Es geht um eine Lautkette mit der ein Vorstellungsbild assoziiert wird, kein Gegenstand. Zur besseren Bewusstmachung dieser Problematik muss hier daran gedacht werden, dass auch ein Wort wie "ihr" eine Bedeutung trägt, hier existiert jedoch kein Gegenstand, auf den man verweisen könnte. Aber dennoch wird ein Vorstellungsbild transportiert, wie bei jeder anderen Lautkette auch.

Drei Zeichenkategorien

Charles Sanders Peirce(1839-1914) hat drei Arten von Zeichen identifiziert. Das Index (lat.: Anzeiger, Zeigefinger) oder Symptom (grie.: Krankheitserscheinung) ist die Folge eines Geschehens, erst findet das Ereignis statt und dann folgt das Zeichen – eine „Wenn-Dann-Relation“. Ein Beispiel dafür ist der Friseurbesuch, hier geht man zunächst zum Friseur und die neue Frisur weist danach erst daraufhin, dass man da war.
Die zweite Zeichenart ist das Ikon, hier herrscht eine Ähnlichkeit zwischen Zeichen und Bezeichnetem, wie bei einem Verkehrsschild (Parken auf dem Bürgersteig erlaubt) oder Piktogrammen (Notausgang u.ä.).
Bei Symbolen hingegen herrscht eine willkürliche (arbiträre) Beziehung zwischen Zeichen und Bezeichnetem, diese wird durch Normen und Konventionen festgelegt. Diese Kategorie trifft auf die meisten Buchstaben zu, ein weiteres Beispiel dafür ist die Taube, die für Frieden stehen kann. Die beiden letzten Kategorien werden im Gegensatz zur ersten bewusst eingesetzt und benutzt, deswegen werden Indexe/Symptome nicht immer zwingend als Zeichen betitelt.

Virtualität und Aktualität

Der Strukturalismus unterscheidet des Weiteren die Virtualität und die Aktualität. Mit Virtualität ist das Zeichen im System , also die Vorstellung von etwas, der Inhalt gemeint und mit der Aktualität das Zeichen im Gebrauch, wie Buchstaben und der Ausdruck.
Der größte Vertreter der sprachlichen Zeichentheorie ist Ferdinand de Saussure (1857-1913).

Semiotisches Dreieck

Das semiotische Dreieck definiert eine Dreiecksbeziehung zwischen Bezeichnetem, Bezeichnendem und Gedanken/Bedeutung, es war bereits zu Zeiten von Platon und Aristoteles bekannt. Es gilt als eine Sammelbezeichnung für eine Reihe von teilweise erheblich unterschiedlichen Modellen, in deren Zentrum immer die Darstellung der Relation Zeichen-Bedeutung steht, teilweise unter Berücksichtigung anderer Zeichen, Zeichenbenutzer und ähnlichem. Es existieren somit mehrere Entwürfe, eins der bekanntesten ist wohl von Charles W. Morris (1901-1979), der das Zeichen im Prozess der Semiose mit Syntaktik, Semantik und Pragmatik in Verbindung setzt.
Als Semiose wird die Zuordnung von Symbol (Zeichenträger) und Referent (Referenzobjekt) gemeint.Dies ist ein rein psychologischer Prozess, da keine direkte Beziehung zwischen den beiden Ebenen besteht, das Wort "Auto" hat nichts mit dem fahrbaren Vehikel, also dem bezeichneten Gegenstand gemeinsam.

Unterscheidung von sprachlichen Zeichen

Verbale Zeichen
Hiermit sind Laute, Wörter, Sätze und Texte gemeint. Sie treten in mündlicher Kommunikation jedoch nie alleine auf

Paraverbale Zeichen
Hier sind Intonation, Lautstärke, Sprachtempo und ähnliches mit gemeint. Als Beispiel macht man durch eine andere Betonung einen Ausssage zu einem Fragesatz, in der Schriftsprache wird dies durch Satzzeichen deutlich gemacht: Wirklich! - Wirklich? Diese Zeichengruppe wird auch immer häufiger in die Schriftsprache übertragen, beispielsweise in Chats u.ä. Dafür werden Großbuchstaben und Satzzeichenanhäufungen verwendet (HAAAAALLLLOOOO!!!!!).

Nonverbale Zeichen
Diese Gruppe bezeichnet Mimik, Gestik, Blickkontakt und Körperhaltung. Diese Zeichen können auch ohne verbale Zeichen auftauchen, beispielsweise in der Gebärdensprache. Auch diese Zeichengruppe wird in die Schriftsprache der Chatkommunikation etc. überführt, durch Emoticons/Smileys.

Literatur

  • Busch, Albert/ Stenschke, Oliver: Germanistische Linguistik, Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG, Tübingen, 2. durchg. und korrig. Auflage 2008
  • Daheim,Cornelia/ Feld,Susanne/ Heising,Alexandra/ Plugmacher,Torsten: Alles, was sie schon immer über die Sprache wissen wollten, aber nie zu fragen wagten- Skript zum Grundkurs Linguistik, 9. durchg. Auflage 2007, S. 6&10
  • KjØrup, SØren: Semiotik, Wilhelm Fink GmbH & Co. Verlags-KG, Paderborn, 2009

Weiterführende Literatur

  • Bühler, Karl: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache, Ungekürzter Neudr. d. Ausg. Jena: Fischer 1934, Stuttgart u.a., 1982
  • Bußmann, Haduomond (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft, 3. aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Kröner, 2002
  • Eco, Umberto: Einführung in die Semiotik, Autprisierte dt. Ausg. v. Jürgen Trabant, München: Fink, 1972
  • Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik, 2. vollst. neu bearb. und erw. Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler, 2000