Semantik

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Die Semantik befasst sich mit dem Inhalt oder genauer mit dem Sinn und der lexikalischen Bedeutung von Zeichen. In der Semantik wird ein Wort als Bündel von Bedeutungsmerkmalen beschrieben, die Bedeutungsmerkmale nennt man Seme.


Man gliedert die Semantik in drei verschiedene Bedeutungsebenen:


1. Instrumentale Bedeutung

Die instrumentale Bedeutung wirkt sich auf den ganzen Satz aus, sie ist die Bedeutung einzelner Elemente die ein neues grammatisches Wort schaffen. Auch einzelne Elemente können Bedeutung tragen.

Beispiel: In Tag-e gibt das Element -e die Bedeutung Plural an. Sie wird getragen vom Relationsmorphem.


2. Syntaktische Bedeutung

Die syntaktische Bedeutung meint, dass die Bedeutung dem ganzen Satz zukommt. Im Gegensatz zu den anderen Bedeutungsebenen, die sich auf einzelne sprachliche Elemente beziehen, wird sich in der syntaktischen Bedeutung auf den ganzen Satz bezogen.

Beispiel: Im obersten Stock des Hauses hat er sein Zimmer.

Dieser Satz kann als Präsenssatz, Aktivsatz und/oder Singularsatz bestimmt werden.


3. Ontische Bedeutung

Eine weitere Bedeungsart, die sich auf den vollständigen Satz bezieht, meint den wirklichkeits- oder Seinswert, der einer Sache zugeschrieben wird. Die Sätze "Ich habe Hunger" und "Ich habe keinen Hunger" unterscheiden sich in ihrem Seinswert, der im ersten Satz bejaht und im zweiten Satz verneint wird. Die Sätze haben also eine unterschiedliche ontische Bedeutung. Ihre syntaktische Bedeutung ist hingegen gleich.



Denotation und Konnotation

Als Denotation versteht man die Grundbedeutung eines Wortes. So bedeutet Hund in der Denotation zunächst einmal, nur ein Tier mit vier Beinen, welches bellen kann. Schwingen nun aber noch persönliche Assoziationen des Sprechers mit, wie mein bester Freund oder der beste Hund aller Zeiten, dann spricht man von einer Konnotation. Die Konnotation ist kulturabhängig, aber innerhalb eines Kulturkreises auch individuell leicht verschieden.



Die Komponentenanalyse

Betrachtet man die Seme genauer und unterscheidet diese Merkmale durch positiv [(+)] und negativ [(-)] dann spricht man von einer Komponentenanalyse.

Beispiel:


                  Papier     gedruckt      gebunden
   Buch             +            +            +
   Zeitschrift      +            +            -


Dabei werden die Seme in direktem Vergleich mit (+) und (-) unterschieden.

Als kompetenter Sprecher einer Sprache weiß man intuitiv, welche Seme für den jeweiligen Kontext von Bedeutung sind und setzt sie ein. Wählt man die richtigen Seme eines Wortes in einem bestimmten Kontext so spricht man von Monosemierung.



Kollokation

Kollokation meint das Zusammen-stehen-können von Wörtern. Es gibt zwar Wörter, welche grammatikalisch gesehen einen richtigen Satz bilden wie z.B Der Stein trinkt, dieser Satz bildet allerdings keine Kollokation, da er inhaltlich nicht richtig ist und Stein und trinkt keine gemeinsamen Seme besitzen. Der Stein fällt, hingegen ist ein inhaltlich richtiger Satz.




Definitionen zur Semantik

Seme: Bedeutungsmerkmale

Synonymie: Haben zwei Wörter die gleiche Bedeutung, spricht man von Synonymie.

          Zum Beispiel: anfangen - beginnen, Monitor - Bildschirmm

Synonyme: Einzelne Wörter die in einer Synonymie vorkommen.

Homonymie: Klingen zwei Wörter gleich und werden gleich geschrieben spricht man von Homonymie.

Homonyme: Zwei Wörter, welche den gleichen Ausdruck besitzen, nicht aber den gleichen Inhalt.

         Zum Beispiel: Tor- Tor, Nagel-Nagel

Polysemie: Ein Ausdruck hat mehrere Bedeutungen und ist mit mehreren Semen verbunden.

Polysem: Besitzt bei gleichem Ausdruck unterschiedlichen Inhalt. Zum Beispiel:

        Schlange: kriechendes Tier (lang, spitzzüngig), Menschenkette (lang)
                                                                                                                                                                                

Antonymie: Ist die Bezeichnung von Wörtern mit entgegengesetzter Bedeutung.

Antonyme: Wörter, welche entgegengesetzte Bedeutung tragen.

         Zum Beispiel: nass- trocken, weiblich- männlich, schön- hässlich.


Metaphern

Die bekannte Metapher kann hier unter neuen Gesichtspunkten betrachtet werden. Was geschieht, semantisch betrachtet, bei der Verwendung der Metapher Lilienhände? Die Seme weiß und zierlich werden von der Lilie (Bildspender) auf die Hände (Bildempfänger) übertragen.

   Lilie                     Hände
  weiß, zierlich   =      weiß, zierlich


Eine Metapher ist eine ungewöhnliche Zusammenstellung von Worten, die bei dem Rezipienten Erstaunen vorrufen oder zum Nachdenken anregen. Es gibt aber auch tote Metaphern. Diese Metaphern sind Metaphern, die in unserem Sprachgebrauch so geläufig geworden sind, dass uns gar nicht mehr bewusst ist, dass es sich um eine Metapher hanldet. Ein gutes Beispiel dafür ist der Bergrücken. Ein weiteres Beispiel begegnet uns in der Bibel. Dort wird von einem Hirten gesprochen, der sich sorgt und versucht zu schützen. Der Hirte steht als Metapher für Gott. Verständlich, dass es sich hier um eine Metapher handelt, aber um eine tote, denn sie ist so geläufig, dass wir sie nicht mehr als diese identifizieren. Metaphern sind nicht nur Phänomene, die in der Literatur vorkommen, sondern auch unseren Alltag durchziehen. Dessen sind wir uns oftmals aber nicht bewusst. In dem Stück Metaphors we live by von George Lakoff und Mark Johnson wird auf eindrucksvollste Weise gezeigt, wie unser Leben von Metaphern beeinflusst wird. Sie zeigen unter anderem das Können einer Metapher, wie sie durch argument is war alles beeinflussen, was mit Diskussion in Verbindung steht.

He s h o t d o w n all of my arguments. ( Er macht all meine Argumente nieder.)

Eine Argumentation entspricht also Angriff und Gegenangriff. Genau diese Sicht beeiflusst unser Vorgehen bei einem (Streit)- Gespräch. Die hier verwendenten Metaphern sind uns als solche ebenfalls nicht mehr bewusst.



Quellen

Daheim Cornelia, Feld Susanne, Heising Alexandra, Pflugmacher Torsten: Alles, was sie schon immer über Sprache wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. (9. durchgesehene Auflage) (2007)

Bergmann Rolf, Pauly Peter, Stricker Stefanie: Einführung in die deutsche Sprachwissenschaft. (3. Auflage) (2001)

Bergmann Rolf, Pauly Peter, Stricker Stefanie: Einführung in die deutsche Sprachwissenschaft. (4. Auflage) (2005) Link-Text