Organon-Modell

Aus LinguistikOnlineWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Organon-Modell [griech. organon – Werkzeug] von Karl Bühler ist ein allgemeines Zeichen- bzw. Sprachenmodell, welches die Sprache als Werkzeug zur Vermittlung einer Nachricht darstellt. Das Organon-Modell stützt sich auf den von Platon vorgeführten Gedanken von Sprache als Werkzeug (organon).
[[1]]

Beschreibung

Obwohl sich auf Platon stützend, geht Bühlers Modell über den platonischen Ansatz hinaus. Karl Bühler betrachtet Sprache an sich als Kommunikatiosnmodell. Im Zentrum des Modells befindet sich das sprachliche Zeichen (Z). Es ist umgeben von einem Kreis, welcher von Bühler als „Schallphänomen“ (Sinneseindrücke) beschrieben wird. Dies bedeutet, dass zur Bildung des sprachlichen Zeichens ebenfalls die Phonetik eine wichtige Rolle spielt. Da aber der Kreis an einigen Stellen über das Dreieck hinaus geht, wird deutlich, dass nicht alles vom Schallphänomen mit der Zeichenfunktion zu tun hat. (Beispielsweise ist die Höhe eines Stoppschildes nicht wichtig, um die Bedeutung dessen verstehen zu können.) Das sprachliche Zeichen ist von den Elementen Sender, Empfänger und Sachverhalte umgeben.


Funktionen der Sprache

Während des Sprechereignisses erfüllt das sprachliche Zeichen (Z) drei Funktionen:

1. Das Zeichen ist Symbol für Gegenstände und Sachverhalte. Es geht also um die Darstellungsfunktion und um die Beziehung zwischen Zeichen und Objekt. Hierbei geht es um die reine Information, die der Sender mitteilen will (z.B. in Sachtexten, Anleitungen, etc.).
2. Weiterhin gibt es eine Ausdrucksfunktion, in der es um die Beziehung zwischen Zeichen und Sender geht. Das Zeichen ist ein Symptom für den Sprecher (Kundgabe), er will (unter anderem) ein Gefühl oder eine Meinung vermitteln.
3. Die Appellfunktion, welche durch die Beziehung von Zeichen zu Empfänger entsteht, fordert den Empfänger zu etwas auf. Diese Funktion haben beispielsweise auch Warnrufe im Tierreich. Die ersten kindlichen Laute gehören ebenfalls zu den appellativen Zeichen, mit denen ein Baby etwa signalisiert, dass es gefüttert werden will.

Beispiel:
1. „Die Welt ist voll Trottel.“ (Darstellung)
2. „Ich fühle mich überlegen.“ (Ausdruck)
3. „Denke nicht, ich sei ein Trottel.“ (Appell)


Zusammenfassung

Die Sprache wird als Werkzeug zur Vemittlung von Nachrichten verstanden. Zur Bildung eines sprachlichen Zeichens liegen immer (bzw. meistens) ein Sender, ein Empfänger und ein Sachverhalt vor. Beim Sprechereignis werden Ausdruck (Selbstoffenbarung des Senders), Appell (Aufforderung an den Empfänger) und Darstellung (Inhalt des Zeichens) deutlich.


Literatur

Karl Bühler: Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache. Ullstein, Frankfurt/ Berlin/ Wien 1978 (Erstausgabe 1934), S. 24ff. Das Organon-Modell der Sprache.
Helmut Glück: Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart/Weimar 2005, S. 110.
Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 2002, S. 487.

Weiterführende Literatur:

Watzlawick, P., Beavin, J., Jackson, D. (1996). Menschliche Kommunikation. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Hans Huber.
Fiske, John (1987). Introduction to Communication Studies. London: Methün.
Schulz von Thun, Friedemann (1981). Miteinander reden 1. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Weiterführende Links

Roman Jakobsons erweitertes Organon-Modell
Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun
semiotisches Dreieck


--Volkan 17:42, 23. Jun. 2009 (CEST)Volkan Demirel