Oberflächen-/Tiefenstruktur

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Noam Chomsky führte das Konzept der Oberflächen- /Tiefenstruktur ein, da frühere Methoden der Analyse von Sätzen bestimmte sprachliche Gegebenheiten unzureichend beschrieben.

Er erkannte, dass die Sätze einer Sprache verschiedene Strukturen haben.

Tiefenstruktur

Zuerst stand die Grammatik, bzw. die Syntax im Vordergrund der Betrachtung, dann kam jedoch ein neuer Bestandteil hinzu.

Die neu gewonnene Grundidee war, dass Sätze in Prozessen abgeleitet werden.

Diese, den Äußerungen zugrundeliegende, sehr abstrakte Struktur nennt man Tiefenstruktur, welche in der Transformationsgrammatik als Zwischenschaltung gilt und als Startpunkt für Transformationen dient.

Mittels Phrasenstruklturgrammatiken werden diese in Oberflächenstrukturen umgewandelt.

Die Tiefenstruktur enthält sowohl alle Elemente eines Satzes, die für die Bedeutung elementar wichtig sind, als auch alle grammatikalischen Beziehungen der einzelnen Elemente zueinander.

Sie vermittelt dem Satz seine Bedeutung. Wir hören einen Satz und geben ihm eine Bedeutung, indem wir diesen mit einer Tiefenstruktur verbinden.

Syntaktisch korrekte Tiefenstukturen können mittels Transformationen in weitere korrekte Sätze gebracht werden,

z.B. Transformation von Aktiv- in Passivsätze und umgekehrt.

Indes können Tiefenstrukturen syntaktisch inkorrekt sein, können dann aber mit Hilfe von Transformationen ins syntaktisch Korrekte überführt werden,

z.B. zum Erfassen von Wortstellungsvarianten: In Haupt- und Nebensätzen kann das finite Verb an verschiedenen Stellen stehen. Durch z.B. der

Endstellung des Verbs in Nebensätzen erhält der Hauptsatz eine Tiefenstruktur, welche anders als die Oberflächenstruktur ist. Mittels Transformation

muss diese Struktur dann produziert werden.

Oberflächenstruktur

Durch das Verschieben dieser Elemente der Tiefenstruktur (Transformation) entsteht die Oberflächenstruktur.

Bei der Oberflächenstruktur handelt es sich um die äußere Form eines Satzes. Diese besteht aus einer grammatikalisch korrekten Satzkette, aus Phonemen

gebildet, wodurch die gesprochene Äußerung entsteht.


Man unterscheidet:

- Syntaktische Oberflächenstruktur

Abfolge der einzelnen Wörter;

- Phonologische Oberflächenstruktur

durch Phonologie werden die richtigen Lautstrukturen zugeordnet.

Beispiel

Ich erkläre den Studenten die Tiefenstruktur.

Die Tiefenstruktur wird den Studenten von mir erklärt.


Hierbei wird deutlich, dass der Sinn des Satzes, also die Tiefenstruktur, erhalten bleibt, sich lediglich, durch Verschiebung der Elemente, die

äußere Form, also die Oberflächenstruktur, ändert.


Ausserdem gibt es Sätze mit unterschiedlicher Tiefenstruktur und gleicher Oberflächenstruktur:

Kati ist gerade zu Hause.

Kati ist gerade in der Schule.


Hierbei wird deutlich, dass die äußere Form des Satzes erhalten bleibt, sich aber, durch Austausch eines Elementes, der Sinn, also die

Tiefenstruktur, ändert.



Quellen

Kirsten Adamzik, Sprache: Wege zum Verstehen 2. Auflage, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, 2004

Hanspeter Gadler, Praktische Linguistik Eine Einführung in die Linguistik für Logopäden und Sprachheillehrer, 4. Auflage

Cornelia Daheim, Susanne Feld, Alexandra Heising, Torsten Pflugmacher, Alles was sie schon immer über Sprache wissen wollten, aber nie zu fragen wagten, Skript zum Grundkurs Linguistik, 9. Auflage, Universität Duisburg Essen

Ursula Klenk, Generative Syntax, Narr Verlag, 2003